Publikationen

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Unermüdliche Schaffensfreude, sein Wissensdurst, seine Kreativität und  Selbstdisziplin und nicht zuletzt die engagierte Unterstützung seiner MitarbeiterInnen und seiner Ehefrau trugen dazu bei, dass Gerhart Harrer in den Jahren 1944 bis 2008 insgesamt 504 Veröffentlichungen verfassen konnte. Beeindruckend ist die Vielfalt der Themen, denen er sich widmete. Sie zeichnet ihn als wohl einen der letzten „Universalisten“, als Nerverarzt alter Prägung aus, der sich als Neurologie und als Psychiater verstand und umfassendes Wissen aus beiden Gebieten in sich vereinte.

Anhand seiner Publikationen lassen sich auch ein Stück weit sein Leben und seine Lebensinhalte bzw. Entwicklungen in Psychiatrie und Neurologie nachvollziehen.

Im Herbst 1935 lernte er am Beginn seines Medizinstudiums in Wien im Sezierkurs Kurt Rotter kennen, es entwickelte sich eine Freundschaft, die das Leben lang dauern sollte. So begegnete er dessen Stiefvater Otto Pötzl, dem damaligen Vorstand der Neurologisch-Psychiatrischen Universitätsklinik, der seinen weiteren Lebenslauf wesentlich prägte. Über seine Vermittlung besuchte er gemeinsam mit Kurt Rotter und seiner späteren ersten Ehefrau Martha schon in der Vorklinik Vorlesungen zur forensischen Psychiatrie, die wohl sein späteres Interesse für dieses Spezialgebiet mit begründeten.

Seine erste Famulatur absolvierte er bei Emil Abderhalden in Halle an der Saale. Dies deshalb, weil dieser eine Untersuchungsmethode, die „Abderhalden’sche Abwehrfermentreaktion“ entwickelt hatte, mit der es gelang, Abbauprozesse eines Organs im Harn oder Blut nachzuweisen. Schon als Medizinstudent fragte sich Gerhart Harrer, ob die Methode geeignet wäre, Schizophrenien durch eine Laboruntersuchung nachzuweisen (1944a). In den ersten Publikationen zum Teil mit Kurt Rotter berichtete er – seiner ärztlichen Tätigkeit in Kriegsgebieten entsprechend – über den Nachweis von Abbauprozessen des Gehirns bei Hirnverletzungen (1943 „unter Feldverhältnissen“) und der Leber bei Hepatitis epidemica (1944b).

In seiner Tätigkeit in Lazeretten für Hirnverletzte (in Frontnähe in Russland, in der Nähe von Halle, in Bad Ischl und zuletzt im Allgäu) beobachtete er die für die Betroffenen quälenden vegetativen Regulationsstörungen bei Hirnverletzungen (1947c, gemeinsam mit Rolf Frowein) aber etwa auch nach Oberschenkelamputation (1948d). Dies war der Ausgangspunkt für seine lebenslange Beschäftigung mit dem vegetativen Nervensystem, die in der Herausgabe der sehr umfangreichen Monographie zu diesem Thema gemeinsam mit Rolf Frowein gipfelte („Vegetativ-endokrine Diagnostik“ 1957).

Seine Dankbarkeit gegenüber seinen Lehrern und Freunden klingt auch immer wieder in seinen Publikationen zu deren Jubiläen durch. Die Reihe beginnt mit einer Festschrift zum 70. Geburtstag Otto Pötzls (1949c).

Die erste von vielen bemerkenswerten „Falldarstellungen“ schildert eine „überstandene Paraldehydvergiftung (1949d), es folgt eine Arbeit gemeinsam mit seinem Chef an der Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik in Innsbruck H. Urban zum Thema „Selbstblendung und Selbstverstümmelung“ (1950b).

Die ersten pharmakologischen Arbeiten widmen sich der Behandlung von vegetativen Störungen mit Coramin-Koffein (1953) und der biologischen Wirksamkeit von Gehirnhydrolysaten (1954). In letzterer beschreibt er erstmals die Wirkungen des von ihm entwickelten inzwischen sehr erfolgreichen „Cerebrolysin“. 1957 erscheint die erste Arbeit zur modernen Sedativtherapie mit Tranquilizern (1957d).

Als Kliniker beschreibt er die Linderung von Beschwerden nach Lumbalpunktionen durch die „Kochsalzplombe“ (1958e), „Seltene Komplikationen nach intraglutäaler Injektion“ (1958d), vegetative Symptome bei Zervikalsyndrom (1959a), die Behandlung des Parkinsonsyndroms (1959b) oder „Erste Hilfe in der Neurologie und Psychiatrie“ (1961c).

1958 erscheint seine erste Arbeit zu „Zerebralen Durchblutungstörungen“ (1958c). Weitere folgen zu funktionellen Durchblutungsstörungen (1960a), zur Karotis-Sphygmographie (1965h), und zur Ophthalmodynamographie, einer Methode zur Messung des zerebralen Blutflusses (1964n, 1965s, 1966c, gemeinsam mit Rudolf Fischbach). Später: „Zur Therapie der zerebrovaskulären Insuffizienz“ (1971g), „Therapie der akuten zerebrovaskulären Dekompensation im Alter“ (1971k), „Behandlung und Rehabilitation cerebrovaskulärer Erkrankungen“ (1976c), umfassender „Klinik und Therapie der zerebralen Leistungsinsuffizienz“ (1977k), „Psychische Aspekte transitorisch-ischämischer Attacken“ (1979o),

Mit Beginn der Psychopharmaka-Ära folgen Studien zur Depressionsbehandlung (1959c, 1960c). Er beobachtet Inkompatibiliätserscheinungen bei der damals üblichen gleichzeitigen Verabreichung von MAO-Hemmern und Imipramin, was später zur Empfehlung führte, diese nicht zu kombinieren.

Er ist auch immer wieder mit Begutachtungsfragen beschäftigt, dies beginnt mit vegetativen Störungen bei Hirnverletzten (1956) oder der Führerscheintauglichkeit (1961b).

Der Schlaf und die Behandlung von Schlafstörungen taucht erstmals als Thema 1963 auf (1963a) und kehrt immer wieder: „Schlaf und Pharmakon“ (1979l), „Schlaf und Vegetativum (1979m), „Der gestörte Schlaf“ (1980e), „Schlafmittel – Eingriff ins Leben“ (1981e), „Der normale Schlaf und seine Funktion“ (1982h),

1963 erscheint die erste Musik-Arbeit mit seiner zweiten Ehefrau Hildegund Harrer: „Polygraphische Untersuchungen (EEG, EKG, Atmung, Oszillogramm, Myo-Mechanigramm, galvanischer Hautreflex) unter dem Einfluss von Musik und anderen affektiven Reizen“ (1963d). Im Jahr 1974 tauchen dann erstmals die Namen Wilhelm Revers und Walther Carl Simon auf, als Ausdruck des gemeinsam gegründeten Forschungsinstituts für experimentelle Musikpsychologie (Herbert-von-Karajan-Stiftung): „Musik und Vegetativum“ (mit Walter Pöldinger, 1973e). 1975 erscheint eine Arbeit zum „Musikerlebnis im Griff des naturwissenschaftlichen Experiments“ (1975m). Im Standardwerk von McCritchley und Henson zu „Music and the brain“ findet sich „Music, Emotion and Autonomic function (1977d). Es erscheinen Arbeiten zu „Musik und Lärm“ (1975e, 1984c), zu „Trommel und Trommelfell“ (1978l), „Musik und Bewegung“ (1978r), zur Beeinflussung des absoluten Gehörs und des rhythmisch-musikalischen Zeitgefühls durch Alkohol und Überwärmung (1979g), alle gemeinsam mit Hildegund Harrer; die Arbeit zu „Musik und Psychiatrie“ (1979n) gemeinsam mit Walter Pöldinger. Weitere Publikationen: „Wie Musik Macht über uns gewinnt“ (1986f), „Wenn Musik nicht mehr Musik ist“ (1988b), „Von Herzen kommend, zu Herzen gehend“ (1988n), „Zentrale Musikverarbeitung. Wo Musik zur Musik wird“ (1990b), „Beziehung zwischen Musikwahrnehmung und Emotionen“ (1993f). Eine Zusammenfassung der Arbeiten zur Musikforschung findet sich in der letzten Publikation „Emotionale Vorgänge beim Hören von Musik und ihre Resonanz im Vegetativum“ (2008b).

Die Beschreibung von „Akuten rechtlichen Problemen in der psychiatrischen Anstalt“ (1964e), und von „Medizinischen Problemen des Anhalteverfahrens“ (1965k) spiegelt seinen Einsatz für die Rechtsfürsorge psychisch kranker Menschen wider. Später publiziert er zu „Freiheit und Freiheitsverlust in der Psychiatrie (1974a).

1965 ist er als Sekretät der Van-Swieten-Gesellschaft erstmals Herausgeber des jährlichen Tagungsbandes der größten österreichischen Ärzte-Fortbildungsveranstaltung, des 18. Van-Swieten-Kongress in Wien (1965m). Er bleibt dann über 23 Jahre, später gemeinsam mit A. Zängl, bis zum 42. Kongress 1988 Mit-Herausgeber.

Als deren Direktor beschreibt er 1967 die Entwicklung der Salzburger Landesnervenklinik „Auf dem Wege zum modernen Nervenzentrum“ (1967f).

1968 erscheint die Monographie „Hauptkapitel der modernen Neurologie“ (1968h), 1970 „Therapie mit Jatrosom“ (1970b).

1968 beginnt auch die Reihe der Arbeiten, die sich speziell mit neuropsychiatrischen Aspekten des alten Menschen auseinandersetzt: „Psychische Störungen bei altersbedingten Gehirnveränderungen und ihre Behandlung“ (1968b), „Der alte Mensch und seine Umwelt“ (1973i), „Der alternde Mann in forensischer Sicht“ (1975g), Psychopharmaka bei alten Patienten (1986e), „Alte Hirne müssen joggen!“ (1986j). Seine letzte Arbeit zu diesem Themenkreis , ein Vortrag, den er als 89-Jähriger hält, hat den Titel „Das ‚lange Leben‘ bei Paracelsus, C.W. Hufeland und heute“ (1996d).

1970 schreibt er in „Heilkunst“ einen Artikel zu einem ihm wichtigen, klinisch bedeutsamen Thema, zur „Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose“ (1971f). Als einen der therapeutischen Ansätze nutzt er Ultraschall zur Anregung des Lymphflusses bei Multiple-Sklerose-Kranken. Eine Arbeit mit dem Salzburger Neuropathologen Peter Pilz untersucht die Auswirkungen von Ultraschall im Tierversuch (1975r).

Gemeinsam mit seinem Schulfreund dem Techniker Reinhold Klaus entwickelte er das „Wackelbett“, eine Vorrichtung, mit der Bewegungen während des Schlafs gemessen werden konnten. Diese wurde eingesetzt, um den Bewegungs-Parameter der Schlafqualität mit und ohne entsprechende Medikation quantifizierbar zu machen (1973a).

Durch Messungen der Flimmerverschmelzungsfrequenz konnten zentralnervöse Funktionen objektiviert und quantifiziert werden. Dies ermöglichte z.B. bei Multipler Sklerose Verlaufsuntersuchungen und die Quantifizierung der Auswirkungen unterschiedlichster Parameter wie therapeutischer Massnahmen oder einer Überwärmung (1972b, 1973f). Über die „Diagnostische Bedeutung der Flimmerverschmelzungsfrequenz bei der Multiplen Sklerose“ schreibt er gemeinsam mit Christel Frank und Peter Schiner (1980d).

Die Ergebnisse der ersten Kooperation mit Helma Sommer erscheinen 1973 in Form einer englischsprachigen Publikation zu klinischen und tierexperimentellen Untersuchungen mit dem Gehirnhydrolysat Cerebrolysin (1973h). In der Folge erscheinen mit ihr gemeinsam verfasste Kapitel im von Jochen Quandt und Sommer herausgegebenen Lehrbuch „Neurologie, Grundlagen und Klinik“ zu den Themen entzündliche Erkrankungen (1974k), Neurolues (1974l), Multiple Sklerose (1974m), psychovegetative Syndrome (1974n) und Intoxikationen (1974o).

„Neue Wege der Musiktherapie“ (1974c) wird gemeinsam mit WJ Revers und WC Simon herausgegeben zur ersten Publikation zum Thema Musiktherapie. 1975 erscheinen im Fischer-Verlag die „Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie“ (1975l).

Gemeinsam mit Heinrich Hetzel (Hall in Tirol) berichtet er über die Unterbringung geisteskranker Rechtsbrecher (1974f) und greift damit ein wesentliches Aufgabengebiet der forensichen Psychiatrie auf. Die Publikation „Zum Entwurf eines neuen Anhaltegesetzes“ (1975h, gem. mit Peter Berner und Hans Ganner) weist auf seine Mitarbeit am Gesetzesentwurf hin. 1977 widmet er sich „Verschiedenen Aspekten des Freiheitsentzugs im psychiatrischen Krankenhaus“ (1977a).

1974 erscheint seine erste Arbeit zur Neuraltherapie (1974i) mit deren Anerkennung er sich in „Stellung der Neuraltherapie nach Huneke in der wissenschaftlichen Medizin“ (1975b) auseinander setzt. Später: „50 Jahre Neuraltherapie nach Huneke“ (1979k)“ Mehrere Publikationen behandeln Anwendungsmöglichkeiten der Neuraltherapie: Zervikalsyndrom (1976d), Augenheilkunde (1984a), Kopfschmerz (1990a, 1994a).

1975 publiziert er erstmals mit der Psychologin Christel Frank (1975a), die Mitarbeiterin am Institut für forensische Psychiatrie wird und mit der er bis zu seinem Lebensende in insgesamt 29 Veröffentlichungen zusammenarbeitet.

1975 beginnt auch die Reihe seiner Schriften der „Begegnung mit Paracelsus“ (1975s) und setzt sich fort mit „Paracelsus und die Psychopharmaka“ (1981d), „Zur Geschichte des Morbus Sacer. Paracelsus und die Paracelsisten (1987f), das Rätsel um den Tod des Paracelsus (1994k, 1996g) und „Paracelsus und der Basilisk“ (2003b).

Die Einführung des Computers in die Neurologie zeigt sich erstmals in der Arbeit zu „Erfahrungen mit der routinemäßigen Computer-EEG-Analyse im neurologischen Klinikbetrieb“ (1980p gem. mit R. Haas, H. Harrer und G. Landschützer). Computer-EEG-Untersuchungen bei Multiple Sklerose (1985b) zu Zusammenhängen zwischen amplitidenkorrelierten Potentialen und der Konzentrationsleistung bei der vaskulären Demenz (1987i, 1988l, 1989i, gemeinsam mit B. Kofler) und zum Nachweis therapeutischer Wirkungen von Nootropika am Beispiel Cerebrolysin (1990f, gem. mit B. Kofler und C. und P. Erhart).

Nach seiner Emeritierung 1987 und dem Ausscheiden aus dem Institut für forensische Psychiatrie 1989 widmet sich Gerhart Harrer vor allem drei Themen: Fragen der Begutachtung, der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft und der Wirkung von Phytopharmaka.

1991 erscheinen die erste Arbeiten zur Wirksamkeit von Hypericum, dem Johanniskraut bei Depressionen (1991a, 1991b), weitere folgen (1993b, 1993c, 1993h, 1994g, 1994h, 1994i, 1995b, 1995c, 1995e, 1999c), zur Prüfung der antidepressiven Wirkung (1993d), im Vergleich mit Maprotilin (1993e), zur Wechselwirkung mit Alkohol (1993i), im Vergleich mit Fluoxetin (1999b) und zu „Hypericum und Lichttherapie“ (2000d).

Im Bereich der forensischen Psychiatrie bzw. Begutachtung schreibt er u.a. gemeinsam mit Christel Frank über „Die Bedeutung der Amnesie für die Beurteilung der Zurechnungsfähigkeit“ (1996b), „Neurologische Krankherien und ihre forensische Bedeutung“ (1996c), „Die Bedeutung der biologischen Therapie im Massnahmenvollzug“ (1997b), die „Forensische Psychiatrie in Österreich“ in der Überarbeitung des Handbuches von Venzlaff und Foerster (2000e, 2004b), „Begutachtung depressiver Störungen im Sozialrecht – Pensionsverfahren“ (2006) und „Neuropsychologische Untersuchungsmethoden in sozialgerichtlichen Verfahren“ (2008a).

Seine letzte Veröffentlichung (2008) drei Jahre vor seinem Tod als 94-Jähriger bringt eine Übersicht über seine Arbeiten zu Musik.

Einen vollständigen Überblick über die von Gerhart Harrer bearbeiteten Themen gibt seine Publikationsliste